Ivan Ivanovich
Ivan Ivanovich
Alpträume. Diese Musik. Diese BAND. Nie wird er sie los. Verfolgt ihn in seinen schlimmsten Träumen. Nachts, wenn der Körper sich eigentlich der Erholung zuwenden sollte, treibt es ihn hinaus auf die Strassen um seiner Seele Erleichterung zu verschaffen. Geblendet von Drogen und Alkohol wandert er über viele Bühnen, sein Ziel klar vor Augen: Diese Band finden ....
Sein einziger Freund, Yan, den manche Leute auch den Riesen mit der sanften Stimme nennen, hat ihm schon so manches Mal das Leben gerettet und hunderte Liter Wasser der Wolga aus seinen Lungen gepumpt. Wenn er so, kurz vor dem Delirium, in seinem eigenen Erbrochen liegt, findet er für einen kurzen Moment Ruhe. Das ist es, was ihn am Leben hält.
Yan, der Riese mit der sanften Stimme
Yan, der Riese ...liebte die langen Abende in den Kneipen der kleinen Hafenstadt am Schwarzen Meer. Singende Kosaken, drängende Schifferklaviere und die treibende Balalaika. Das Licht eines lauen Sommerabends und den Geruch der Jugend. Sein Großvater lehrte ihn das Spiel auf der Zieharmonika und das Benutzen seiner Stimmbänder um eines Tages den warmen vollen Klang eines Kosaken zu erreichen.
Daniel "Homo Jazzus"
Daniel "Homo Jazzus"Seinen Lebensunterhalt verdiente er sich lange Zeit als keulenschwingender Jahrmarktboxer. Nachdem seine Eltern während eines Aufstandes in Berlin von der VoPo erschossen wurden, nahm ihn ein junger aufstrebender Jazzlehrer auf und legte seine ganzen Erwartungen an einen der besten Jazzmusiker in seine Prägung und Erziehung.
Die Jahre vergingen und der Lehrer musste immer eine Träne verkneifen, wenn er Daniel auf seinem Horn spielen hörte.
Die Verlockung des schnellen Ruhm und Geldes zog Daniel immer öfter hinaus zu den Jahrmärkten mit ihren Zauberern, Schwertschluckern, Feuerspuckern und Akrobaten. Sein güldenes Spiel auf dem Horn lockte so manchen Schein aus der Hose vieler reicher Jahrmarktsgäste.
Eine unglückliche Begegnung mit dem Starken Geschlecht bescherte ihm drei Kinder. Das Geld wurde knapp und das Angebot des Boxrings kam wie gerufen. Bald war er der Unbesiegbare. Doch das Kämpfen machte seine Finger steif. Das Horn hing nur am Nagel und rostete vor sich hin ....
Dave, der Schmied
Dave, der SchmiedRauchende Kamine. Hammerschläge, die auf glühendes Eisen formend einwirken. Pferdedung und kohlenstaubverschmierte Stallburschen. Hier lebte Dave, der Schmied. Ein lebensfroher junger, hilfsbereiter Zosse. Die Leute kamen immer gerne zu ihm um ihre Pferde neu beschlagen zu lassen oder wenn einmal ein Wagenband gerissen war wusste Dave immer mit seinem Handwerk zu helfen.
Er empfing gerne Gäste und liebte die besondere Atmosphäre von lustigen Gesellschaften. Wenn die Stimmung am besten war, ging er hinüber in seine Werkstatt und holte zwischen Ambossen, Hammer und Formeisen ein filigranes Instrument aus seinem Koffer, die Fidel.
Mit ihr fand er Entspannung, entlockte ihr Melodien, die ihn selber das Herz zerissen. Zu ihr empfand er Liebe.
Doch auch so manchen Abend verbrachten sie beide spielend auf von gröhlend-angetrunkenen Menschen umringten Schenkentischen und spielten die schmissigsten Lieder, die die alten Gaukler aus der ganzen Welt mitbrachten.
Frank "Barbarrossa"
Frank "Barbarrossa"Vor langer Zeit zog einst ein Nordmann her. Sein Hemd getränkt mit Blut, seine Seele voller Unruhe. Auf seinem Rücken schaukelte ein alter faseriger Seesack, voll gestopft mit allerlei Spielsachen und Schabernack. Gerne erschreckte er kleine Kinder, wenn sie nicht schnell genug vom Gehweg liefen, auf dem er gerade dahin trottete. Zum Gitarre spielen kam er, als ihm ein aufgebrachter Vater von seinem Grundstück jagte und ihm eben selbiges Instrument an den Kopf warf. Seine schiefe Nase hat er von genau diesem Erlebnis.
Seit dem rastet er unter jeder Brücke die seinen Weg kreuzt und versucht die Ratten mit dem Geräusch, dass er der Gitarre entreisst, zu vertreiben. Manchmal gesellt sich auch ein verwirrter Uhu hinzu und bläst eine Melodie .....
Mike, der Dampfhammer
Mike, der Dampfhammer
Ein Bauarbeiter aus Niederwürzbach. Früher verdingte er sich bei Menschen die ihre Bleibe dem Erdboden gleich machen wollten. Sein Spezialgebiet war die schlüsselfertige Übergabe einer Schutthalde. Waren es früher Stahlkolosse mit Hydraulik und Dynamit mit denen er sein Gewerbe betrieb, ist es heute ein Stück Holz mit vier Unterarm dicken Stahlseilen, die die Luft um ihn herum zum beben bringen. Abgrundtiefe Zweiton-Harmonien ziehen sich wie ein bis kurz vorm Bersten gespanntes Stahlseil durch Fabrikhallen und Eisenbahnschienen und bringen jedes noch so steife Bein in Bewegung.
Es ist empfohlen einen Helm zu tragen!
Martin, die Lokomotive
Martin, die LokomotiveEinst trieb er die Eisenbahnen durch die sibirische Steppe. Durchquerte Wüsten, tiefblaue Kälte und vernichtende Feuchtgebiete. Gefürchtet war er von Büffeln und der Landbevölkerung die den Reisenden bei den kurzen Zwischenhalten an den Bahnhöfen ihr Ware feilbieten wollten. Immer fünf Minuten vor dem Zeitplan war er zwar immer pünktlich aber selten glücklich. Ständig auf der Hut vor den rot gekleideten Soldaten. Geschwindigkeit, das gleichmäßige Stampfen und Zischen der Dampfkessel. Lautstärke. Liessen seine Feinde nicht von ihm ab, dann so wenigstens seine Gedanken. Nach vorne muss es gehen. Drücken, bis der Kopf vom Fahrtwind in den Nacken gedrängt wird.
Philipp, der karpatische Höhlenschmuggler
Philipp, der karpatische Höhlenschmuggler
Etwas schäbig kommt er in seinen Kleidern daher. Mit leicht gebeugtem Rücken entlockt er so mancher edlen Dame einen mitleidvollen Blick. Doch, manchmal sollte man seinem Instinkt nicht trauen...
Nachts, wenn es dunkelt, steigt er hinab in die Katakomben, die Pulsadern der gierenden Oberschicht. In den Tunneln unter den Grenzen ist sein Reich. Hier, unbemerkt und oft auch gewollt, floriert das größte Handelsnetz für karpatischen Untersee-Kaviar, den, so glauben die frenetischen Käufer, man am besten verzehrt, wenn der ungebohrene Stör noch nie von dem Licht der Sonne gekitzelt worden sei.
Die Eingänge zu seinem Reich sind wenige und gut verborgen und doch, sein ständiger Begleiter, ein zotteliger bäriger Karpatenwolf, hat immer ein gutes Auge auf den Eingang, in den sein Gebieter gerade verschwunden ist.
Um seinen Hals trägt er immer ein Medallion vom Schwein um den Berggeist milde zu stimmen. Böse Stimmen behaupten, der Wolf schenke dem Tunnel nur die nötige Aufmerksamkeit, weil er sich nach erfolgreichem Handel an der Rübezahl-Opfergabe laben darf.
Seine Gitarre, die ihm einst bei einer Milchmädchenrechnung als Bezahlung feilgeboten, kann ihn nicht in seine Heimat begleiten. Zu faul waren damals seine Schergen, wollten den Tunnel nicht groß genug bauen als dass das edle Klanggerät hindurch passen könne.
So verweilt er immer länger in der Fremde zu Klängen, die, wenn man sehr genau hin hört, seinem Freund das Blut in den Adern gefrieren lassen.